über
Rolf Falkners fotografischer Weg begann nicht an einer Kunsthochschule, sondern in der Praxis. Seine Ausbildung erhielt er in Paris, wo er in den Studios Daguerre und Clic Clac als Assistent für renommierte Mode- und Werbefotografen arbeitete. Die tägliche Arbeit mit erfahrenen Fotografen wurde zu seiner eigentlichen Schule und prägte sein Verständnis für Bild, Licht und Komposition.
Nach dieser Zeit führte ihn sein Weg zunächst zurück nach München, seiner Heimatstadt, und weiter nach Hamburg. Es folgten Stationen in Paris und Barcelona, bevor er über Toronto nach Vancouver gelangte. Sein Leben war über viele Jahre von Bewegung geprägt. Die wechselnden Orte und Begegnungen wurden zu einem wesentlichen Teil seiner fotografischen Entwicklung.
In Vancouver begegnete er einer Kunstszene, die seinen Blick nachhaltig verändern sollte. Die Bodega, ein Treffpunkt von Künstlern und Kreativen, wurde für ihn zu einem Ort des Zuhörens und Beobachtens. In den langen Gesprächen mit Künstlern wie Rodney Graham, Jeff Wall und Ken Lum erhielt er Einblicke in eine andere Form des Denkens über Kunst, Wahrnehmung und Bildsprache. Diese Begegnungen waren keine unmittelbare Abkehr von der Fotografie, sondern wirkten als stille, langfristige Lehrstunden weiter.
Anschließend kehrte Falkner zunächst in die kommerzielle Fotografie zurück. Er arbeitete in San Francisco bis zum Erdbeben von 1989 und übersiedelte danach nach New York. Weitere Stationen seiner internationalen Laufbahn führten ihn unter anderem nach London, Madrid und Kapstadt. Seine Arbeiten wurden international veröffentlicht und prägten über Jahrzehnte seine Auseinandersetzung mit Bild, Ästhetik und visueller Kommunikation.
Nach Jahrzehnten als internationaler Mode- und Werbefotograf entschied sich Rolf Falkner bewusst, die kommerzielle Fotografie hinter sich zu lassen und sich ausschließlich der freien Kunst zu widmen. Über die Jahre entstanden verschiedene freie Werkgruppen. Seine jüngste Serie BRUT ist zugleich seine persönlichste Arbeit – eine Verdichtung seiner langjährigen Auseinandersetzung mit Wahrnehmung, Material und dem fotografischen Sehen.
Die meisten Arbeiten der Serie entstanden an historischen Palazzi in Padua, Verona und Venedig. Statt die Architektur in ihrer Gesamtheit zu zeigen, richtet Falkner den Blick auf kleinste Ausschnitte ihrer Oberflächen. Die repräsentative Fassade tritt zurück; sichtbar werden Spuren von Zeit, Witterung und Gebrauch. Die Fotografien sind keine Abbildungen von Architektur, sondern Porträts ihrer Geschichte – Gesichter von Gebäuden, in denen sich Erinnerung und Vergänglichkeit eingeschrieben haben.
Was zunächst wie ein Fragment erscheint, entwickelt eine eigene Bildsprache. Strukturen erinnern an Landschaften, geologische Formationen oder Malerei, bleiben aber immer mit ihrem Ursprung verbunden. Falkners Arbeiten entstehen nicht durch Inszenierung, sondern durch genaues Hinsehen. Sie lenken den Blick auf das Übersehene und geben dem Vertrauten eine neue Präsenz.
Die Serie BRUT versteht sich als bewusster Gegenentwurf zu einer Bildwelt, die von Geschwindigkeit, Perfektion und visueller Überfülle geprägt ist. Ihre Reduktion ist keine stilistische Entscheidung, sondern eine Haltung: den Blick zu verlangsamen und Wahrnehmung wieder möglich zu machen.
In diesem Sinne folgt Falkners Arbeit einem Gedanken von Marcel Proust: Die eigentliche Entdeckungsreise besteht nicht darin, neue Landschaften zu finden, sondern mit neuen Augen zu sehen.
Heute lebt und arbeitet Rolf Falkner mit seiner Frau und seinem Hund zwischen Österreich und Italien.